St. Antonius Eichwalde & St. Elisabeth Königs Wusterhausen

 

Unsere Glocken in St. Antonius

Ob zur ersten katholischen Messe in der kleinen Antoniuskapelle - dem vormaligen alten Gutshaus des Vorwerks Radeland - am 18.11.1903, zu der Kuratus Philipp Jeder die Gläubigen der umliegenden Gemeinden nach Eichwalde laden konnte, bereits ein Glöckchen läutete ist nicht im Pfarrarchiv überliefert. Fest steht jedoch, dass die schnell anwachsende Zahl der katholischen Anwohner den Neubau einer Kirche notwendig machte zu dessen Realisierung sich bald ein Kirchbauverein konstituierte, der auch für ein entsprechendes Geläut Spenden sammelte.

Nachdem der heutige Romanusplatz – benannt nach der Familie Romanus, die das Vorwerk Radeland als Teil des Rittergutes Schulzendorf über lange Jahre bewirtschaftete und auch das heute noch erhaltene neue Gutshaus erbaute – nach zähem Ringen als Bauplatz für den Kirchneubau erworben und der Vertrag mit dem Leipziger Architekten Clemens Lohmer unterschrieben worden war, konnte der Kirchenvorstand unter dem Vorsitz unseres damaligen  Seelsorgers Kuratus Paul Hentschel sich am 22.07.1912 auch erstmals dem Angebot der Großherzoglichen Hof-Glockengießerei Franz Schilling & Söhne aus Apolda widmen, das eine baldige „Entschließung des Kirchenvorstandes forderte“, widmen.

Dieses besonders auf große Glocken spezialisierte Thüringer Traditionsunternehmen, dessen Glocken, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, den Hamburger Michel aber auch den Erfurter Dom zierten, wurde durch den Beschluss des Kirchenvorstandes von Eichwalde am 05.11.1912 damit beauftragt „..3 Glocken in F-as-b … auf Grund des Kostenanschlages vom 18. September dieses Jahres zum Preise von 3,50 RM pro Kilogramm entsprechend einem Gesamtpreise von 5160 RM frei Eichwalde…“ zu liefern.  

Das damals beauftragte Bronzegeläut wurde am Palmsonntag, den 20. März 1913, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in feierlicher Umzug durch den Ort empfangen und durch Kuratus Hentschel der Heiligen Familie geweiht:

 

Das 1. Geläut aus Bronze von 1913 der Hof-Gießerei Franz Schilling&Söhne, Apolda: 

  

Name

Jesus

Maria

Joseph   

Ton

f

as

b

Ornamente

Kreuz

Marienbildnis

ohne

Umschrift

„Gelobt sei Jesus Christus in alle Ewigkeit. – Amen.“

„Ave Maria“

„St. Ioseph,   ora pro nobis“

Widmung

„Im   Jahre 1913 als Pius X. Papst, Wilhelm II. Kaiser und König v. Deutschland,   Kardinal Georg Kopp Fürstbischof von Breslau, Prälat Kleineidam Fürstbisch.   Delegat in Berlin, Paul Hentschel Kuratus v. Eichwalde, sind wir von den   Meistern Schilling in Apolda gegossen worden.“

A.(d) M. (ajorem) D. (ei) G. (loriam)

A.(d) M. (ajorem) D. (ei) G. (loriam)

Stifter

-

„gestiftet von W. Wahl, Berlin

-

Dem kirchlichen Weiheakt folgte am Nachmittag eine weltliche Feier in Wiechers Gesellschaftshaus (Gosener Straße), zu der ein extra zu diesem Fest einstudiertes Theaterstück mit dem Titel „Der Glockenguss zu Breslau“ unter großer Begeisterung der Gemeinde zur Aufführung kam.  

Lange konnten sich die Katholiken Eichwaldes an ihrem Bronzegeläut aber nicht erfreuen, denn schon vier Jahre nach der Weihe des neuen Gotteshauses mussten die Glocken im Zuge der 1. Weltkrieges für die Kriegswirtschaft eingeschmolzen werden. So heißt es im damaligen Protokoll des Kirchenvorstandes vom 24.06.1917:  

„Zu Punkt 3 wurde beschlossen den Abbau des ganzen Geläutes (3 Glocken) gemäß der Beschlagnahmebedingungen möglichst innerhalb der Prämienfristen veranlassen zu lassen.“

 

Durch die schlechte wirtschaftliche Ausgangslage nach dem 1. Weltkrieg, die auch im bürgerlichen Eichwalde zu spüren war, dauerte es bis zum Jahr 1929, ehe die Gemeinde wieder genug Geld gesammelt hatte, um sich zumindest ein Geläut aus Edeklangstahl leisten zu können.  

Den Zuschlag zur Fertigung erhielt wiederum die nunmehr unter dem Namen Schilling & Lettermann fungierende Firma aus Apolda gemäß Beschluss des Kirchenvorstands unter Pfarrer Max Kohlsdorf.

Im Gegensatz zu Bronze weist Edelklangstahl einen geringeren Nachhall auf, hat eine begrenztere Lebensdauer (80-100 Jahre) und zeigt im Zuge der Alterung starke Abnutzungserscheinungen. Im Gegensatz zu Bronze sollte sich es aber als ein entscheidender Vorteil dieses billigeren Werkstoffs erweisen, dass er für die Kriegswirtschaft ungeeignet ist. Der Vorfreude auf ein neues Geläut, tat dies alles aber kein Abbruch, und so wurden die Festwagen zum Empfang der neuen Glocken mindestens so festlich mit Eichenlaub geschmückt wie die im Jahre 1913.  

Und am 24. März des Jahres 1929 – ebenfalls am Palmsonntag – wurden die Glocken durch Pfarrer Max Kohlsdorf, geweiht, die seit nunmehr fast 87 Jahren die Gemeinde in Freud und Leid zu Gebet und zum Lobpreis Gottes rufen:

Das 2. Geläut aus Edelklangstahl von 1929 der Firma Schilling&Lettermann, Apolda: 

  

Name

Antonius

Maria

Joseph

Ton

g

h

d

Ornamente

ohne

ohne

ohne

Umschrift

„Hl. Antonius, Helfer in aller Not, steh uns bei im   Leben, steh uns bei im Tod“

„Maria mit dem Kinde lieb, uns allen Deinen Segen gib.“

                                   St. Ioseph, bitte für uns“

 

Widmung

ohne

ohne

ohne

Stifter

-

-

-

Gewicht

750 kg

350 kg

200 kg

Mit 90 Jahren hatte dann auch dieses zweite Geläut unserer Kirche im Jahr 2019 seine Altersgrenze erreicht und musste aus Sicherheitsgründen ausgetauscht werden. Mit viel Engagement und dank großzügiger Spenden gelang es uns bereits innerhalb von drei Jahren die Mittel für ein neues Bronzegeläut aufzubringen. Das neue Geläut wurde am 14.05.2019 in der Gießerei der Familie Rincker im hessischen Sinn gegossen und konnte zum Festtag unseres Kirchenpatrons am 16.06.2019 geweiht werden:

Das 3. Geläut von 2019 aus Bronze der Firma Rincker, Sinn (Hessen):

  

Name

 

Antonius

 

Maria

 

Joseph

Ton

fis

gis

h

Ornamente

Antonius   sitzend über einem aufgeschlagenen Buch als Kirchenlehrer mit Segensgestus

--


Umschrift

"Lasst eure Worte lehren und eure Taten sprechen!“

„Magnificat anima mea   Dominum, et exsultavit spiritus meus in Deo salutari meo

“Heiliger Josef, dein Glaube schenke uns die Kraft,   auf Jesus Christus zu vertrauen, wo immer wir im Leben stehen, um so die   Ewigkeit zu schauen

Fries

Wellenfries   (oben)

Kreuzbogenfries   (unten)

Wellenfries   (oben)

Kreuzbogenfries (unten)

Wellenfries   (oben)

Kreuzbogenfries (unten

Stifter

-

-

-

Gewicht

798kg

558kg

346kg

Durchmesser


1086

956

830

Das alte Geläut von Schilling & Lettermann, dessen Klang unseren Ort für lange Zeit prägte, erhielt gleichzeitig einen besonderen Ehrenplatz auf einem Schaupodest vor unserem Pfarrhaus.

Pfarrarchiv (PAEw). Oliver Strübing / Dipl.-Archivar (FH), 2017 

 

Bilder
Pfarrarchiv (PAEw). Oliver Strübing / Dipl.-Archivar (FH), 2017
Glockenfinal.pdf [1.6 MB]