St. Elisabeth Königs Wusterhausen & St. Antonius Eichwalde

 

Auf Zeitreise im Archiv – September 2020

Die Urkunde eines Fürstbischofs und warum unsere Kirche auf dem Romanusplatz steht

Mittlerweile ist seit unserem Spaziergang zu Wiechers Gesellschaftshaus, dessen Geschichte ich Ihnen a. H. einer kleinen Postkarte in unserem Archiv vorstellen konnte, schon ein halbes Jahr vergangen und ich hoffe Sie und ihre Lieben haben die Zeit der Pandemie trotz Einschränkungen gut überstanden.

Wenn im ersten Teil unserer gemeinsamen Schatzsuche im Pfarrarchiv eine Postkarte im Mittelpunkt stand, deren Geschichte uns mit der Familie Wiechers quer durch den Ort führte, hatte dies, zunächst den ganz praktischen Grund, dass die Publikation des zweiten Bandes des Postkartenbuches in Eichwalde unmittelbar bevorstand. Zudem besteht der Charme der Bildpostkarte gerade darin, dass deren ganz unmittelbare visuelle Wirkung hier mit der Mitteilung einer Persönlichkeit verbunden war, deren Beziehungsgeflecht uns unmittelbar an die Anfänge unserer Pfarrei führte.

In klassischen Archiven, wo es darum geht, Quellen des Verwaltungshandelns für zukünftige Generationen zu bewahren, bilden solche privaten Selbstzeugnisse eher die Ausnahme. Lange Zeit galten dagegen Urkunden – Schriftstücke die Rechtsbeziehungen regeln – als die eigentlichen Schätze des Archivs. Auch unser Pfarrarchiv, dessen älteste Bestände in das Jahr 1901 zurückreichen, birgt solche Urkunden, auch wenn diese in ihrer äußerlichen Form nicht an so prachtvolle Pergament-Urkunden heranreichen, wie wir sie aus dem Mittelalter kennen.

Eine solche Urkunde wurde z. B. ausgestellt, als die Kommune am 28.11.1902, wie bereits im Artikel zu Wiechers Gesellschaftshaus beschrieben, nicht den König-Ludwig-Platz (Platz der Republik) sondern den Romanusplatz (Abbildung 1) unserer Kirchengemeinde als Bauplatz übereignete. Angeregt durch katholische Einwohner und die günstigen Bedingungen zu denen die junge Kommune der Kirche das Bauland versprach, um die Besiedlung Eichwaldes voranzutreiben, bat der seit 1901 zunächst ohne bischöfliche Legitimation in Eichwalde seelsorgerisch tätige Kreuzberger Pfarrer Philipp Jeder (1869-1942) den zuständigen Bischof darum dieses Geschenk der Kommune anzunehmen. Fürstbischof von Breslau, zu dessen Diözese Berlin damals gehörte, war damals Georg Kardinal Kopp (1837-1914). Da zum Zeitpunkt allerdings noch keine Kuratie- oder Pfarrgemeinde – sprich eine juristische Person – in Eichwalde existierte, die das Geschenk des Baulands hätte annehmen können, war es der Fürstbischof, der in Hinblick auf die damit einhergehenden Rechte und Pflichten entscheiden musste, ob hier zukünftig ein tragfähiger Ort kirchlichen Lebens entstehen könnte. – Die Schilderung der kirchlichen Verhältnisse und die günstige Prognose zur Entwicklung des Ortes müssen ihn überzeugt haben, denn mit Unterschrift und Siegel nahm er am 15.11. die Schenkung an, die durch Unterschrift des damaligen Gemeindevorstehers von Eichwalde Johann Josef Graef (1849-1912) am 28.11.1902 rechtskräftig wurde.



Im Wortlaut heißt es in der Urkunde (Abb. 2), die im Archiv unter der Signatur PAEw-I-001, Bl. 212 verwahrt wird:

„Die Gemeinde Eichwalde, vertreten durch den Gemeindevorstand schenkt aufgrund des

Beschlusses der Gemeindevertretung vom 20. Juli diesen Jahres, welcher durch den Kreisausschuß

des Kreises Teltow vermöge Beschlusses vom 9. September diesen Jahres genehmigt worden ist,

dem Fürstbischöflichen Stuhl von Breslau als Bauplatz zu einer nötigen katholischen

Kirche in Eichwalde den Romanusplatz ebendaselbst und erklärt sich zu der

unverzüglichen gerichtlichen Auflassung bereit. Der Wert des Grundstücks beträgt 2000 Mark.

Der Fürstbischöfliche Stuhl, vertreten durch Georg Cardinal Kopp Fürtbischof von

Breslau, nimmt für den Kirchenbau die unentgeltliche Überlassung

des bezeichneten Grundstücks an. Das Grundstückskartenblatt 2 Nr. 1257/42 etc. enthält 12 Ar53qm.


Eichwalde den 28ten November 1902                                             Breslau, den 15. November 1902

Der Gemeindevorstand                                                                      Der Fürstbischof

[Siegel] J[ohann] J[osef] Graef                                                           [Siegel] Georg Cardinal Kopp“



Äußerlich recht schlicht gestaltet, heben lediglich die beiden Siegel die Bedeutung des Schriftstücks hervor. Während der Siegelstempel der jungen Kommune noch nicht das eigene Wappen, sondern in blau, recht unspektakulär den landesherrlichen bekrönten Adler mit den Initialen F[ridericus] R[ex] im Brustschild und der Umschrift „Gemeinde Eichwalde, Kreis Teltow“ aufweist (Abb. 3), führt das Prägesiegel des Fürstbischofs die ganze Fülle heraldischer Attribute des Fürstbischöflichen Wappens mit Kardinalshut und der lateinischen Umschrift des Kardinals unter Nennung seiner römischen Titelkirche St. Agnes vor den Mauern auf. Sogar der durch den Kaiser verliehene Schwarze Adlerorden, durch den der Fürstbischof in Anerkennung seine Vermittlerrolle während des Kulturkampfes zwischen Kirche und Staat in den Adelsstand erhoben wurde, ist angedeutet (Abb. 4).

So unscheinbar diese Urkunde auf den Ersten Blick erscheint: nicht weniger als der rechtliche Grundstein für den Bau unserer Kirche am heutigen Platz, der ein Geschenk der Ortsgemeinde ist, liegt in diesem Dokument begründet. Und damit setzte das Dokument auch den Schlussstrich unter einen Streit, der die noch junge Gemeinde zu spalten drohte. Doch worum ging es? – Ursprünglich sollten gemäß Gemeindebeschluss vom August 1901 zum Bau der katholischen Kirche kostenlose Grundstücke auf dem damaligen König-Ludwig-Platz durch die Firma Schulze zur Verfügung gestellt werden. Die Planungen liefen und natürlich wertete ein geplanter Kirchbau nicht nur die benachbarten Grundstücke auf sondern auch mancher Geschäftsmann – wie Gastwirt Wiechers – hätten wohl davon profitiert. Doch das Genehmigungsverfahren durch Amtsvorsteher und Landrat verzögerte sich.  Erst nach 8 Monaten am 05.07.1902 - Pfarrer Philipp Jeder befand sich gerade im Urlaub auf Borkum – antwortet der Landrat und durchkreuzte alle bisherigen Planungen, indem er den Bauplatz am König-Ludwig-Platz wegen der zu großen Nähe zur Evangelischen Kirche für ungeeignet hielt.

Als Alternative stellten die Herren Schmidt und Seegers, die als letzte Besitzer des ehemaligen Rittergutes Radeland, dessen Grundstücke als Makler vertrieben, der Gemeinde zwei Parzellen am Romanusplatz – dem ehemaligen Gutshof kostenlos für das Kirchbauprojekt, das ja wichtig für das Prestige und die Besiedlung des Ortes war, zur Verfügung. Auch das alte Gutshaus, in dem zuvor schon die Gottesdienste der evangelischen Gemeinde stattgefunden hatte, wurde durch sie zur Verfügung gestellt und sollte vorerst als Notkapelle für die Abhaltung erster Gottesdienste hergerichtet werden. Doch Unmut unter Teilen der Einwohnerschaft, die fest mit der Kirche in der Nähe ihrer Grundstücke am König-Ludwig-Platz gerechnet hatten, machte sich breit. Entschlossene Einwohner beider Konfessionen wollten die staatliche Entscheidung nicht hinnehmen und verfassten am 28.07. eine Petition an den Fürstbischof.

Um eine weitere Eskalation, die das Projekt des Kirchbaus wohl eher gefährden würde, zu verhindern berief Pfarrer Philipp Jeder zwei Gemeindeversammlungen ein auf denen er versuchte die Wogen zu glätten. In weiser Voraussicht, dass der Fürstbischof sich wegen dieser Frage wohl nicht mit der staatlichen Aufsichtsbehörde anlegen würde, erkannte Philipp Jeder wohl früh die Vorzüge des neuen Platzes. Zwar lag dieser etwas abseits des bisherigen Bebauungsschwerpunktes der jungen Gemeinde und war auch weiter von der damaligen Bahnstation an der heutigen Waldstraße entfernt, doch war er auch größer und bot in seiner Umgebung noch Entfaltungspotential für Pfarrhaus und ein Schulgebäude. Wie sehr die Einwohnerschaft in der Frage des Bauplatzes auch konfessionsübergreifend gespalten war, spiegelt das Abstimmungsergebnis der Gemeindevertretung vom 30.07. wieder, als nur eine Mehrheit von 6 Stimmen für den Romanusplatz und immerhin noch 4 für den König-Ludwig-Platz votierten. Dem Votum folgte dann auch der Kreisausschuss, worauf man die Vermessung des Platzes durch den Landmesser Neuhoff am 17.09. veranlassen konnte. Pfarrer Jeder konnte dann durch Bericht und persönliche Audienz in Breslau auch den durch die Petition alarmierten Fürstbischof von den Vorzügen des neuen Bauplatzes überzeugen und wurde zum Bevollmächtigten der weiteren Verhandlungsführung in der Grundstücksangelegenheit betraut. Am 15. 11. 1902 in der fürstbischöflichen Kanzlei in Breslau aufgesetzt, wurde die Übereignungsurkunde am 22.11. durch Pfarrer Jeder der Gemeindevertretung unter Zusicherung des ausdrücklichen Danks des Fürstbischofs zugesendet, wo Sie durch Unterschrift und Siegel des Gemeindevorstehers Johann Joseph Graef am 28.11. rechtskräftig wurde.

Johann Joseph Graef, Malermeister und erster katholischer Gemeindevorsteher Eichwaldes, ist, wie andere Akten des Pfarrarchivs belegen, neben Pfarrer Jeder übrigens einer der Personen, der das Projekt der Gründung der katholischen Gemeinde von 1901-1903 immer wieder vorantrieb und nachweislich auch in seiner Berliner Wohnung mit Pfarrer Jeder verkehrte. Obwohl bereits am 01.04.1905 die katholische Kuratiegemeinde Eichwalde gegründet wurde, blieb der Fürstbischöfliche Stuhl zu Breslau offizieller Besitzer des Grundstücks bis zum Bau der Kirche.

Das erklärt auch, warum wiederum der Fürstbischof 1912 das letzte Wort hatte, als die Kirche – nachdem der Bau schon begonnen hatte – zu Gunsten der alten Linde auf dem Romanusplatz einige Meter nach Osten versetzt wurde. Doch was es damit auf sich hat und was den Fürstbischof dazu bewog erkunden wir bei unserem nächsten Besuch im Archiv. Bis dahin bleiben Sie gesund!

Euer/ Ihr Oliver Strübing

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Spannenden Geschichte zu unserer Pfarrei

Auf Zeitreise mit alten Postkarten
Nun, da Corona viele von uns in die Isolation der eigenen vier Wände zwingt, mag eine kleine Zeitreise vielleicht eine willkommene Abwechslung bieten. - Und dies mittels eines Mediums das zu Beginn des letzten Jahrhunderts mindestens so populär war wie Facebook oder WhatsApp heute: die gute alte Ansichtskarte!


  

Ja, für die Generation unserer Urgroßeltern war sie das Medium für Kurznachrichten mit Bild in alle Welt! – Und auch hier im jungen Eichwalde, erschien um die Jahrhundertwende damals eine Vielzahl dieser zum Teil sehr aufwendig produzierten Kleinkunstwerke. Unter den mehr als 500 bekannten Motiven bilden v. a. jene mit Ansichten von Lokalen, Hotels und Restaurants einen markanten Schwerpunkt. Sicher war es der Besitzerstolz, der hier im neuen Villenvorort zu bescheiden Wohlstand gekommenen Mittelschicht, der so seinen illustren Ausdruck fand und noch heute davon kündet. Darüber hinaus war die Postkarte das ideale Werbemedium, um die Vorzüge der jungen Landgemeinde im Grünen zu inszenieren. Die Ausflugslokale, die den Hauptstädter mit großen Tanzsälen, Kegelbahnen und Biergärten aus den Mietskasernen ins Grüne locken wollten, wurden somit auch zu Motoren für die weitere Besiedlung unseres Ortes. Und damit standen sie auch am Anfang des katholischen Lebens in dieser Gegend, denn noch vor Kirche und Pfarrhaus, versammelten sich die Katholiken der Region - wie sollte es anders sein - in einem dieser Ausflugslokale.
Neben den bekannten Ansichten der Notkapelle auf dem alten Gut und unserer Pfarrkirche ist die vorliegende Postkarte genau deshalb ein ganz besonderer Schatz als Neuerwerb unseres Pfarrarchivs. Die colorierte Bildseite zeigt nämlich mit „Wiechers Gesellschaftshaus“ nicht nur die weitläufige Anlage dieser profanen „Wiege“ unserer Kirchengemeinde, sondern sie gibt auch Einblicke in das Leben seiner Besitzer, die zu den wichtigsten Gründerfamilien unserer Pfarrei gehören.
Was wir zunächst sehen, ist das im typischen Stilmix der Gründerjahre aus Neorenaissance und Fachwerkanbau errichtete Gesellschaftshaus an der Ecke von Gosener Straße und Stubenrauchstraße um das Jahr 1910. Die Aufnahme entstand nach Vorlage einer Schwarzweiß-Fotografie, die im Nachgang aufwendig coloriert wurde. Das stolze Haupthaus, das leider nicht mehr steht, beherbergte
neben dem Restaurant einen großen Saal für große Gesellschaften und Bälle und - wie die Rückseite anpreist – „Sommerwohnungen mit Parkaussicht“. Ein Nebengebäude beherbergte Bahnen für die damals so zahlreichen Kegelvereine. Den Biergarten, dessen Tische mit schlohweißen Tischdecken coloriert sind, umgab ein Spalier von Birken und das Kaiserliche Reichsbanner in Schwarz-Weiß-Rot, unter dem sich die Kundschaft die eine oder andere „Molle“ wohl schmecken ließ. Von allen Seiten und schon aus der Ferne sichtbar prangte in großen Lettern der Name des ersten Besitzers: „Wiechers“.
Johannes Wiechers, der 1859 im westfälischen Oeynhausen geboren wurde und von Beruf eigentlich Tischler war, heiratete im Jahr 1888 die Berliner Schankwirtstochter Hedwig Feist. Bereits im Jahr der Gründung Eichwaldes - berichtet stolz das Heimatbuch von 1938 – wird 1894 der gemeinsame Sohn Friedrich, der Absender der Postkarte, als erster männlicher Eichwalder geboren. Das gemeinsam geführte Gesellschaftshaus wurde schnell zu einem der gesellschaftlichen Mittelpunkte des Ortes. Früh engagiert sich die Familie, zu der neben dem Sohn Fritz noch die Töchter Therese, Elisabeth und Katharina gehören, auch in der entstehenden katholischen Gemeinde. Und so wurde „Wiechers“ schnell zum Versammlungsort der katholischen Vereine, Stätte erster Andachten und von 1906-1914 auch der Ort, wo der Kirchenvorstand tagte, dessen Mitglied Johannes Wiechers bis zu seinem Tod 1923 blieb. Hier war der Ort, wo alle profanen Festlichkeiten der katholischen Gemeinde stattfanden. Die Gründung des Kirchbauvereins 1903, die Feiern zur Glockenweihe und natürlich die Kirchweihe von 1913 fanden hier ihren feierlichen Rahmen mit Musik, Gesang, Tanz und allem, was Fass und Küche hergaben.
Was den Kirchbau betrifft, gehörte Johannes Wiechers zunächst zu jenen Gemeindemitgliedern, die sogar schriftlich gegen den Bau am Romanusplatz protestierten. Denn zu verlockend schien ihm als Gastwirt die Aussicht darauf gewesen zu sein, dass ursprünglich der in unmittelbarer Nähe des Lokals gelegene König-Ludwig-Platz (heute: Platz der Republik) als Standort auserkoren war. Aber der Amtsvorsteher von Zeuthen und der Landrat durchkreuzten diese in Hinblick auf sonntägliche Frühschoppen umsatzsteigernden Planungen. Das er letztendlich seinen Frieden mit dem Standort am Romanusplatz machte, beweist nicht zuletzt der Taufstein unserer Kirche, den er stiftete, nachdem der Bau der Kirche die Kirchkasse geleert hatte.


Zurück aber zur Postkarte: Hier auf der Textseite schreibt - in lateinischer Reformschrift - der oben erwähnte Friedrich Wiechers seinem Cousin Hubert Kropp in Münster. Datiert vom 28.09.1911 entschuldigt sich Fritz zunächst dafür, dass er lange Nichts von sich hören ließ. Der Leser erfährt, dass die Vorbereitungen für das gerade abgeschlossene Examen ihn daran gehindert hätten. Und freudig berichtet er weiter, dass er just an diesem Tage eine Anstellung bei der Verwaltung von Adlershof - „einer Vorstadt von Berlin“- als Beamtenanwärter für die Dauer von zwei Jahren angetreten habe.
Neben dieser kurzen Nachricht über den beruflichen Werdegang des „ältesten“ Eichwalder Bürgers erfahren wir auf der Bildseite noch mehr Details über das, was die Familie Wiechers im Spätherbst 1911 wohl ebenso freudig bewegt haben dürfte. Hier ließ es sich die ältere Schwester Elisabeth Wiechers (*1890) nicht nehmen, ihren Cousin - in deutscher Kurrentschrift - über ihre Verlobung zu informieren und ihn zur Hochzeit im kommenden Jahr einzuladen. Fast unscheinbar im kurzen Postskriptum dieses Zusatzes folgt dann noch eine kleine Überraschung. Denn hier berichtet Elisabeth ganz stolz über die Entstehung jener Fotografie des väterlichen Lokals – wohl aus dem gegenüberliegenden Wohnhaus: Elisabeth selbst hat die Aufnahme gemacht, die als Vorlage für die colorierte Kopie, diente.
Aus anderen Quellen erfahren wir dann auch, wer der glückliche Bräutigam war, dessen Name hier nicht erwähnt wird, der aber für die Lokalgeschichte kein Unbekannter ist. Am 22.10.1912 heiratete Elisabeth noch in der der alten Notkapelle von St. Antonius auf dem ehemaligen Gut am 22.10.1912 den damaligen Zeuthener Amtssekretär Bernhard Biermann. Der 1886 im westfälischen Wickede gebürtige Biermann, der als Kirchenvorstand das katholische Gemeindeleben ebenfalls prägte, wurde nicht nur langjähriger Chef der örtlichen Polizeiverwaltung, sondern setzte sich als Herausgeber des 1938 erschienen Heimatbuchs von Eichwalde ein Denkmal, das trotz seiner nationalsozialistischen Färbung, bis heute zu den unentbehrlichen Quellen unserer Ortsgeschichte gehört. Nicht minder engagierte sich auch Arthur Kunze, der zweite Schwiegersohn von Johannes Wiechers und Ehemann von Katharina Wiechers, der als Lehrer und Kirchenvorstand die erste Chronik über St. Antonius im damaligen Heimatbuch verfasste.
Wer heute das einstmals stattliche Gesellschaftshaus im Ortsbild sucht, wird enttäuscht. Nach dem Tod von Johannes Wiechers im Jahr 1923 wechselte es mit der ebenfalls katholischen Familie Schwark die Eigentümer. Weiterhin feierte auch die Kirchengemeinde hier die großen Feste, wie bspw. 1934 das silberne Priesterjubiläum von Pfarrer Max Kohlsdorf. Während des Weltkrieges waren hier französische Fremdarbeiter der Firma Siemens untergebracht, die Pfarrer Kohlsdorf seelsorgerisch betreute. Zu Zeiten der DDR amüsierten sich hier die Jugend im als Jugendclub genutzten Lokal. Doch nach der Wende wurde das Lokal dann abgerissen und die heutige Wohnbebauung errichtet.
An die Familie Wiechers dagegen erinnert auch heute noch das eindrucksvolle Familiengrab unmittelbar vor der Friedhofskapelle in Eichwalde. Es zählt – dank des Engagements unseres Ortschronisten Wolfgang Flügge – heute zu den erhaltenswerten Gräbern auf dem Friedhof von Eichwalde.
Zu weiteren Zeitreisen, wie dieser zu „Wiechers Gesellschaftshaus“, werde ich in unregelmäßigen Abständen gern wieder einladen. Bis dahin freue ich mich auf Post von Euch/ Ihnen mit Rückmeldungen oder Anregungen.
Bis dahin bleibt behütet und gesund
- Euer Oliver Strübing!